Die Entdeckung der Gegenwart

Wie seit Beginn des Mindener GeschwisterProjekts (fast) immer am letzten Freitag im Monat trafen sich auch an diesem letzten Julimorgen Geschwister zum … na zum «Geschwister-Treff« natürlich. Wolkenlos blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, ein kühler Wind und: Sommerferien – ideale Voraussetzungen für einen Urlaubstag in der eigenen Stadt.

Wir werden erwartet: Brunchtafel »da Claudio« © kw 2015

Wir werden erwartet … kw cc0

Gestärkt durch Claudio’s Verwöhn-Brunch mit Bergen von Schlagsahne auf der heißen Schokolade — weil es morgens so kühl war hatte er den festlichen Tisch drinnen für uns decken lassen — schlendern wir mit dem Eis, das der krönende Abschluss des Frühstücks war, in Richtung Innenstadt. Wir stellen uns vor, wir wohnen weit weg und sind mit dem Wohnmobil auf »Kanzlers Weide« am anderen Weserufer gelandet … und erkunden eine kleine historische Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten … in Ostbelgien, Süddänemark oder in Mecklenburg-Vorpommern. »Wo wart ihr schon mal im Urlaub?« »Warum ist es da schön?«

Beim gemächlichen Schlendern entstehen bald andere Gespräche: »Was hat dein Bruder, deine Schwester?« »Bleibst du alleine, wenn deine Eltern nachts mit ihm, mit ihr ins Krankenhaus müssen oder kommt die Nachbarin?« »Wo ist er, sie jetzt?« Gespräche unter Experten, eben …

die Stadthühner CC0

die Stadthühner CC0

Aber Ronja, der Flämische Bouvier ist dabei, und schnell sind wir bei Geschichten von Hunden und Katzen, Fischen, Vögeln und Schildkröten … und stoßen unversehens auf die erste MerkWürdigkeit: 2 Hühner … mitten in der Altstadt! Auf dem Spielplatz vor der alten Bürgerschule picken sie – schwarz mit weißen Punkten und weiß mit schwarzen Punkten – selbstbewusst und unbeirrt von unserer Anwesenheit im Gras herum. Die freundlichen Töne, die sie dabei machen, klingen eher wie Gurren als wie Gackern. Fotografiert zu werden scheinen sie zu kennen: sie posieren, als ob sie etwas von bella figura verstünden … aber schnell sind wir wieder langweilig.

Höhenflug © kw 2015

Höhenflug © kw 2015

Nachdem wir geklärt haben, dass man nie zu alt ist, um einen Höhenflug zu genießen, für den man nichts zu tun braucht, darf ich anschubsen … dieser kurze thrill , wenn die Schaukel ganz oben still in der Luft zu stehen scheint … am tiefsten Punkt aufgefangen werden … und der nächste Schwung trägt noch höher … Glück ist, wenn man in den Himmel fliegt. Und zum Schluss die Mutprobe: Abspringen im Flug. »Das habe ich mich früher, als ich kleiner war, nie getraut.« Kuckst du, geht doch!

Das Museum öffnet erst um zwölf – Zeit um noch ein wenig durch die Kopfsteinpflaster-Straße mit kleinen Fachwerkhäusern und ehrwürdigen Giebeln mit Bleiglasfenstern und Steinmetzkunst zu schlendern. Der Goldschmied hat wegen Urlaub geschlossen. Aber hinter der Tür zum Laden mit der Keramik im Fenster kann man die Drehscheibe der Töpferin brummen hören. Laut Schild öffnet sie erst nachmittags. Aber anscheinend hat sie uns gehört: wir dürfen herein kommen und ihre Werkstatt anschauen. Keramik ist aus Ton. Wenn man vorsichtig mit einem Holzlöffel an den Innenrand der Schale schlägt, erfährt man, warum Ton Ton heißt. Und nach dem Verklingen ist die Stille jedesmal noch ein bisschen stiller …

Ronja die Fahrradwächterin CC0

Ronja die Fahrradwächterin CC0

Dann schlägt die Kirchturmuhr Mittag. Hunde haben keinen Zutritt zum Museum. Ronja darf ihrer Bestimmung folgen und neben dem Brunnen am Friedensplatz, im Schatten eines Bergahorns – nein, keine Kühe (das ist ihr eigentlicher Beruf als Bouvier) sondern Fahrräder hüten. Für die nächsten drei Stunden wird sie vollkommen zufrieden sein. Solange niemand versucht, ihre Kühe – pardon: Fahrräder – zu stehlen, natürlich.

Im Foyer des Museums ist es wunderbar kühl. Wir entscheiden uns für die Sonderausstellung »Als das Mammut zu schwitzen begann« …

… Fortsetzung folgt …

 

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