»Familien«besuch bei Lisa

So wurden wir empfangen: Lisa und ihre Familie hatten das Geschwisterprojekt zu sich an die holländische Grenze eingeladen. »Das ist aber ziemlich weit von Minden weg, oder«? sagst Du jetzt vielleicht. Stimmt! Aber es gibt nicht so viele Angebote für Geschwister. Und Lisas Mama hatte die besonderen Geschwister im Internt gefunden und Lisa schon zweimal nach Minden gebracht. Jetzt waren wir zu einem Gegenbesuch bei Lisa und ihrer Familie zuhause eingeladen.

Begonnen hatten wir unseren dreitägigen Ausflug in Köln. Bei über 35°C haben wir das Schokoladenmuseum besucht. Das Museum ist nicht nur eine gläserne Schokoladenfabrik, wo man jeden Herstellungsschritt vom »Conchen« der Schokolade über das Befüllen der Formen bis zur Verwandlung in Pralinés und Konfekt hinter Glas live verfolgen kann.

Sondern es gibt auch ein Regenwaldhaus, wo man auf der Haut spüren kann, wie sich die schwere Luftfeuchtigkeit zu kleinen Tropfen sammelt und zu Regen wird … und einen Schokoladenbrunnen zum Naschen…

»Nachhaltigkeit« … für manche Kinder ein neues Wort. Aber es faszinierte sie, wir verständlich die Wertschöpfungskette beschrieben wird und was es von der Pflanzung und Pflege der Kakaopflanzen über Pflücken, Vermentieren, Rösten und Mahlen des Rohstoffs bis zum Kakopulver alles berücksichtigt werden kann – und muss!

Im riesigen Spiele­keller waren schon die Betten gemacht, als wir schließlich bei unserer Gastfamilie ankamen, vor dem Abendessen konnten sich alle noch im Pool abkühlen …das war wirklich ein geniales »Hotel« für die besonderen Geschwister.

Andere Kinder bekommen Heimweh nach Mama und Papa – Geschwisterkinder vermissen nicht selten noch schmerzlicher ihren gehandikapten Bruder oder ihre Schwester. Gelegenheit für besondere Gespräche vor dem Einschlafen … über Liebe, Sehnsucht, Heimweh … und wie kostbar es ist zu spüren, wie viel uns jemand anderes bedeutet, gerade wenn er oder sie »anders« ist …

»Tiger and Turtel« … Gelegenheit für Mutproben! Wer diese Skulptur auf der Abraumhalte aus dem Schlackenmaterial einer ehemaligen Zinkhütte in Duisburg erleben will muss sich hoch hinaus wagen. Unsere Jüngste war die Wagemutigste! Erst acht Jahre alt und mit zitternden Knien kletterte sie bis ganz nach oben. Das wird die kleine Heldin bestimmt so schnell nicht vergessen.

Hoch hinaus ging es auch am dritten Tag unseres Reiseabenteuers: »Der Berg ruft!« hieß es im Oberhausener Gasometer. Mit einem Kinder-Audioguide ganz allein oder zu zweit die höchsten Berge der Welt erkunden, in der Manege auf einem Riesenkissen liegend dem Verwandlungsspiel des Matterhorns von Tag zu Nacht, Morgen zu Abend zuzuschauen – Zeit zum Staunen, für Selbstvergessenheit ist für viele Geschwisterkinder selten und kostbar.

Wieso wir auf der Rückfahrt mit unserem NRW-Ticket auf Hawaii kamen weiß ich nicht mehr. Aber der Plan stand am Ende der Reise fest: In der ersten Woche der Herbstferien heißt es »Parole: Hawaii!«. Mehr wird noch nicht verraten.

Bist Du dabei?