(K)ein Segeltörn zu den Seehundsbänken …

Die ASTARTE unter Segeln ©

Die ASTARTE unter Segeln ©

Das war der ursprüngliche Plan: Ein Segeltörn zu den Seehundsbänken. Aber statt mit Segeln waren wir mit Motorkraft unterwegs — und statt zu den Seehundsbänken sind wir durch den Hafen gefahren. Klingt ein bisschen nach »Kuchen versprochen und Brot gegessen«. Aber eigentlich war es ein Glücksfall, denn die Crew des historischen Segelkutters ASTARTE hätte auch beschließen können, dass Windstärke 6 bis 7 und das Risiko von Sturmböen zu gefährlich sind, um mit Kindern überhaupt aufs Wasser zu gehen. Aber sie haben sich getraut! und haben mit uns fast vier Stunden lang eine ganz besondere Tour durch den Hafen gemacht. Durch den starken Wind gab es richtigen Wellengang und Gischt, die uns ins Gesicht schlug. Und was wir sehen konnten war auch so spektakulär.

Schwimmende Werkstatt für Off-Shore-Windparks

Schwimmende Werkstatt für Off-Shore-Windparks ©

Wir kamen an einer schwimmenden Werkstatt — schwimmendes Dock genannt — die aussah, als hätte der Verpackungskünstler Christo sich daran ausgetobt. Man munkelt, dort würde eine Super-Luxusjacht für einen russischen Oligarchen gebaut und niemand dürfe sie vor ihrer Jungfernfahrt sehen. Deshalb werden alle Bauteile per Hubschrauber angeliefert. Wer solche Sorgen hat, wie dieser reiche Mann, braucht ja wohl kein Glück mehr, oder? Und die riesige Kabelrolle auf dem Foto links — noch eine schwimmende Werkstatt — ist für Leitungen bestimmt, durch die Windstrom Richtung Festland fließen kann.
Außerdem lernten wir, dass Bremerhaven der größte Umschlagplatz weltweit für Automobile ist. Die Containerschiffe für Autos sehen aus wie metallene Hochhäuser im Wasser! Eines hatte an der Seite ein Beiboot und als wir zurück zum Kai fuhren, wurden wir auch noch Zeuge einer Übung »Mann über Bord!« Leider sind die Fotos davon nichts geworden :-(

Siesta für den 2. Steuermann ©

Siesta für den 2. Steuermann ©

Kunstturnen bei Seegang ©

Kunstturnen bei Seegang ©

Mittags klarte es auf, der Smutje — Seemannssprache für Schiffskoch — hatte Berge von Fischstäbchen zum Kartoffelsalat für uns gebraten, der Sturm hatte nachgelassen und der Duft aus der Kombüse — der Schiffsküche — ließ unsere Mägen knurren. Der Wind hatte sich beruhigt, wir konnten an Deck essen und die Sonne kämpfte sich durch und wärmte uns Rücken und Gesicht.

Die anfangs noch sehr stillen Mädchen begannen mit den rauhen Seebären zu flirten, die sich das gern gefallen ließen. Und während der Nachwuchs-Steuermann sich für ein Nickerchen ins Heck legte, kamen die jungen Deerns vollends in Fahrt und zeigten ihre Turn-Kunststücke.

 Man kann sich regelrecht gegen den Wind lehnen

Man kann sich regelrecht gegen den Wind lehnen ©

Als wir wieder sicher angelandet hatten, bekamen wir von unserer Crew die Empfehlung, die Nase noch einmal über den Deich in den Wind zu halten. Was für ein Unterschied!! Dabei war uns der Wind im Hafen schon heftig vorgekommen! Ein motorisiertes Schiff mit gerefften Segeln versuchte, über die Außenweser zum gegenübergelegenen Ufer zu gelangen. Mit beängstigender Schlagseite. Jeder wusste, dass jede andere das gleiche dachte: gut dass wir das nicht versucht haben!!

Die Gischt schlägt 5 Meter hoch über die Mole! ©

Die Gischt schlägt 5 Meter hoch über die Mole! ©

Waren auf der Hinfahrt alle noch recht zögerlich aus der Reserve zu locken gewesen, so waren wir auf der Rückfahrt eine völlig andere Gruppe. Alle redeten mit allen, Freundinnen-bande waren geknüpft, es wurde gelacht und gespielt, Fotos ausgetauscht und erzählt. Und die anfängliche Enttäuschung darüber, dass wir weder zu den Seehundsbänken noch gesegelt waren war der Überzeugung gewichen, dass wir einen großartigen Tag miteinander gehabt hatten. Definitiv zu Wiederholungszwecken geeignet.

Ahoi! Und bis zur nächsten Saison im Frühjahr — auf der ASTARTE beim Geschwister-Segeltörn zu den Seehundsbänken …